Die Rückkehr der Cariñena: Zurück auf der Weinkarte

Lange Zeit galt Cariñena als reine Massenrebsorte für einfache Cuvées. Heute zwingen alte Reben in Katalonien und Südfrankreich die Winzer zum Umdenken. Aus einem Verschnittpartner ist die Basis für tiefgründige, strukturierte Weine geworden.

Charakter und Herkunft der Cariñena

Das Verständnis dieser Rebsorte beginnt bei ihren historischen Wurzeln und ihren markanten Eigenschaften, die man kaum verwechseln kann.

Was ist Cariñena

Die Rebsorte Cariñena, in Spanien auch als Mazuelo (besonders in Rioja) und in Frankreich als Carignan bekannt, stammt aus der Autonomen Gemeinschaft Aragón. Ihren Namen verdankt sie der Stadt Cariñena in der Provinz Saragossa. Historisch wurde diese Traube wegen ihrer hohen Erträge und ihrer tiefen Farbe geschätzt, neigte jedoch ohne sorgfältige Pflege zu einer gewissen Rustikalität.

Im Glas ist ein reinsortiger Cariñena leicht an seiner tiefen rubinroten Farbe und der ausgeprägten Säure zu erkennen. Im Bouquet dominieren dunkle Beeren wie Brombeere, Pflaume und Wildkirsche, ergänzt durch Noten von schwarzem Pfeffer, Süßholz und Waldboden. Kräftige Tannine bilden ein stabiles Gerüst, das den besten Exemplaren ein hervorragendes Reifepotenzial verleiht.

Faktoren zur Bändigung einer anspruchsvollen Rebsorte

01

Alter der Reben

Alte Reben tragen weniger Trauben und konzentrieren den Saft.

Alter der Reben
02

Karge Böden

Schiefer und steinige Terroirs bremsen das Blattwachstum.

Karge Böden
03

Trockenresistenz

Ein tiefes Wurzelsystem hilft der Rebe bei Trockenheit.

Trockenresistenz
04

Ertragsregulierung

Die Reduzierung der Traubenmenge mildert aggressive Säure.

Ertragsregulierung

Vom Massenwein zum Premium-Status

Die Geschichte der Cariñena ist voller dramatischer Wendungen: von der meistangebauten Rebsorte Frankreichs über die fast vollständige Vergessenheit bis hin zur triumphalen Rückkehr.

Die Ära der Massenweine und des Überflusses

Mitte des 20. Jahrhunderts, nach der Reblauskatastrophe, suchten Winzer in Frankreich und Spanien nach einer Rebsorte, mit der sich die Produktionsmengen schnell wieder aufbauen ließen. Die Wahl fiel aufgrund der hohen Erträge und der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten auf Carignan. Die Sorte wurde im Languedoc und in den flachen Teilen Kataloniens in großem Stil angepflanzt.

Die hohen Erträge führten jedoch zu einem Qualitätsabfall. Die Weine waren wässrig, hatten grobe Tannine und eine übermäßig hohe Säure. Die Sorte erwarb sich schnell den Ruf einer reinen Massentraube, die sich nur für billige Tafelweine eignete.

In den 1980er Jahren begann eine Rodungskampagne zur Reduzierung der Überschüsse. Die Rebflächen für Cariñena schrumpften drastisch und machten Platz für populärere internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon und Syrah.

Das Potenzial alter Reben entdecken

Die Rettung der Rebsorte waren Weinberge, die aufgrund ihrer Unzugänglichkeit der Rodung entgingen. An den steilen Hängen der Region Priorat überlebten Cariñena-Anpflanzungen im Alter von 50 bis über 80 Jahren. Die Winzer stellten fest, dass der Ertrag der Rebe mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise sinkt.

Alte Reben bringen sehr kleine Beeren mit einer hohen Konzentration an Extraktstoffen hervor. Der Wein aus diesen Trauben verliert seine ursprüngliche Aggressivität. Anstelle von groben Tanninen tritt eine samtige Textur, und die Säure präsentiert sich harmonisch ausbalanciert.

Genau diese alten Weinberge bildeten das Fundament für die Renaissance des Weinbaus im Priorat. Die Rebsorte bewies, dass sie bei richtiger Pflege komplexe und langlebige Weine hervorbringen kann, die den besten Beispielen aus Tempranillo oder Garnacha in nichts nachstehen.

Moderne Anerkennung auf Schieferböden

Heute wird Cariñena für ihre Fähigkeit geschätzt, das Terroir widerzuspiegeln. Auf den licorella-Schieferböden im Priorat entwickelt der Wein charakteristische Rauch- und Teernoten. Diese Nuancen machen sein Profil komplex und unverwechselbar.

Moderne spanische Winzer verzichten immer häufiger darauf, die Sorte nur als Verschnittpartner einzusetzen. Es entstehen reinsortige Abfüllungen, die das gesamte Spektrum dunkler Beeren- und Gewürzaromen zeigen.

Die Renaissance der Cariñena hat auch andere Regionen beeinflusst. Winzer im benachbarten Montsant und im französischen Languedoc haben ebenfalls damit begonnen, alte Weinberge sorgsam zu pflegen und der Rebsorte den verdienten Respekt zurückzugeben.

Kohlensäuremaischung: Wie man Tannine bändigt

Eine der größten Herausforderungen bei der Arbeit mit jungen Cariñena-Trauben ist ihr hoher Tanningehalt. Um den Charakter des Weins abzurunden und ihn in seiner Jugend zugänglicher zu machen, wenden einige Winzer die Methode der Kohlensäuremaischung (Macération carbonique) an. Diese Gärung ganzer Trauben in einer mit Kohlendioxid gesättigten Umgebung ermöglicht es, maximale Fruchtaromen zu extrahieren, bevor die aktive Extraktion von Tanninen aus Schalen und Kernen beginnt.

Während der intrazellulären Gärung entstehen spezifische Aromastoffe. Der Wein erhält intensive Noten von reifer Kirsche, Himbeere und Gewürzen. Dieses Profil maskiert die natürliche Krautigkeit und Rustikalität der jungen Trauben und sorgt für eine weiche, runde Textur.

Die Kohlensäuremaischung wird häufig für leichte, fruchtige Weine eingesetzt, die bereits im ersten Jahr nach der Ernte trinkreif sind. Diese Methode zeigt die Flexibilität der Rebsorte Cariñena, die sich von einem schweren, im Holz gereiften Giganten in einen unkomplizierten, saftigen Alltagswein verwandeln kann.

Die Geografie der Cariñena: Drei Schlüsselterroirs

Die Rebsorte zeigt sich je nach Klima und Bodenbeschaffenheit der wichtigsten Weinregionen der Welt von ganz unterschiedlichen Seiten.

Katalonien (Spanien)

In den Regionen Priorat und Montsant zeigt die Sorte ihre maximale Konzentration. Die lokalen Schieferböden und das heiße, trockene Klima bringen dichte Weine mit Aromen von dunklen Beeren, Süßholz, Rauch und ausgeprägten mineralischen Nuancen hervor, die auf den steinigen Untergrund zurückzuführen sind.

Südfrankreich (Languedoc-Roussillon)

Hier wird die Rebsorte Carignan meist mit Syrah, Grenache und Mourvèdre verschnitten. Die französischen Weine zeichnen sich durch ein würzigeres Profil mit Noten von Rosmarin, Thymian, schwarzem Pfeffer und Wild aus, während sie ihre charakteristische hohe Säure und Saftigkeit bewahren.

Maule-Tal (Chile)

Im chilenischen Maule Valley sind alte, unbewässerte Reben erhalten geblieben, die als Carignan VIGNO bezeichnet werden. Diese Weine zeichnen sich durch eine sehr hohe, lebendige Säure, klare Noten roter Früchte und einen leichteren, aber dennoch strukturierten Körper aus.

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